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Unterwegs im Ehrenamt

Erstelldatum05.08.2025

Gabi und Uwe Mei pflegen Wanderwege am Kloster Kirchberg.

Ein Ehepaar marschiert durch den Wald beim Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar. Als Ausrüstung haben sie dabei: Hammer, Zange, Nägel, Heckenschere und eine Leiter. Was auf den ersten Blick etwas skurril anmutet, lässt sich doch ganz leicht erklären. Bei den bepackten Wanderern handelt es sich um Gabi und Uwe Mei. Seit 15 Jahren kümmern sich die beiden engagierten Albvereinsmitglieder ehrenamtlich um die Wanderwege rund um das ehemalige Dominikanerinnenkloster.

Damals wurden die beiden, die das Berneuchener Haus Kloster Kirchberg einige Jahre zuvor kennen und schätzen gelernt hatten, vom damaligen kaufmännischen Leiter Wilhelm Harr gefragt, ob sie sich nicht vorstellen könnten, einige Wanderwege für die Gäste des Tagungs- und Einkehrhauses auszuschildern. „Die Leute verirren sich immer wieder“, hatte Wilhelm Harr damals seine Bitte bekräftigt. Und tatsächlich – das zeigte eine Inspektion: „Die Kennzeichnungen der Wege waren verwirrend und in die Jahre gekommen“, so Uwe Mei. „Irgendwo hingen ein paar Schilder, die aber keine zusammenhängenden Wege ergaben. Wir haben also zugesagt, gleichzeitig aber darum gebeten, es ohne Zeitdruck machen zu können“, erinnert sich Uwe Mei. „Wir haben verschiedene Strecken ausgesucht, Schilder entworfen, Wegbeschreibungen verfasst und nach knapp zwei Jahren waren die Wege ausgeschildert und der kleine Wanderführer gedruckt“, ergänzt seine Frau Gabi. Insgesamt fünf Touren beinhaltet der Wanderführer, zwei leichtere Spaziergänge mit zwei und drei Kilometern Länge, einer davon auch für Kinderwagen geeignet sowie drei Wanderungen, die längste 7,5 Kilometer lang. Alle Wege sind Rundwanderungen, beginnen am Klosterportal und enden auch wieder dort. „Auf jeden Fall“, raten Gabi und Uwe Mei, „sollte man in die vorgegebene Richtung laufen, damit man sich nicht doch verläuft.“

Um die Strecken in Schuss zu halten, sind Gabi und Uwe Mei zwei Mal im Jahr auf „ihren“ Wegen unterwegs. Und dabei kommen eben Hammer, Nägel und Co zum Einsatz: Manche Schilder verschwinden mit der Zeit hinter neu gewachsenen Ästen – ein Fall für die Heckenschere – andere in den Taschen dreister Souvenirjäger – dann muss ein neues Schild hergestellt und wieder neu angenagelt werden. Hin und wieder ist es auch schon vorgekommen, dass ein Schild samt Baum bei Forstarbeiten abhandenkam. Und weil manche Schilder etwas höher in den Bäumen hängen, braucht es eben eine Leiter. Wenn das Ehepaar im Ehrenamt mit all den Utensilien in Wald und Feld unterwegs ist, dann werden die beiden oft von neugierigen Wanderern angesprochen. Und gerade solche Begegnungen sind es, die Gabi und Uwe Mei Freude bereiten. „Wir sind so gottfroh, dass wir damals zugesagt haben, uns um die Wege zu kümmern. Es macht solchen Spaß, wir haben schon viele nette Erlebnisse gehabt und viele sind dankbar.“ Manche Wanderer beteiligen sich auch aktiv an der Streckenpflege und melden fehlende Schilder oder sonstige Vorkommnisse im Kirchberger Klosterladen oder am Empfang, wo der Mei´sche Wanderführer erhältlich ist.

Kloster Kirchberg ist für Gabi und Uwe Mei aber nicht nur Ausgangspunkt für Wanderungen, sie fühlen sich auch dem geistlichen Leben im Haus verbunden. Sie besuchen die Stundengebete und feiern Gottesdienste wie die Osternacht mit. „Die Stille, die einmalige Lage, die vielen Sitzmöglichkeiten im großen Garten, dafür lieben wir den Kirchberg. Und die Tagzeitengebete geben Struktur“, so das Ehepaar. „Ach ja, die vielen Konzerte sind toll“, fällt Gabi Mei noch ein. „Das Gesamtkonzept hier ist super stimmig, es ist immer etwas Besonderes hier.“

Die Liebe zur Natur wurde Gabi und Uwe Mei – die beide in Erpfendorf geboren sind und dort nach wie vor leben – quasi in die Wiege gelegt. Der Vater von Gabi Mei war Kassier beim Albverein und die Tochter, die bei der Agentur für Arbeit als Berufsberaterin arbeitet, engagiert sich seit ihrer frühen Jugend im Albverein, ist unter anderem als Übungsleiterin für Gesundheitssport aktiv. Uwe Mei ist, solange er denken kann, immer draußen gewesen, inspiriert vom Großvater und der pflanzenkundigen Mutter. Als junger Mann wollte er sogar Förster werden, doch leider hat es mit dem Studienplatz nicht geklappt und er studierte Maschinenbau, arbeitet heute selbständig. „Das Wandern und die frische Luft“, sagt der 61-Jährige, „brauche ich zum Ausgleich und zum Erhalt der Lebensfreude.“ Als zertifizierter Natur- und Landschaftsführer versucht er, auch andere Menschen für die Natur zu begeistern und zu sensibilisieren.

Mit den Ehrenämtern auf dem Kirchberg und im Albverein geben sich Gabi und Uwe Mei übrigens nicht zufrieden. Uwe Mei war in Erpfendorf lange Jahre im Gemeinderat und 15 Jahre auch stellvertretender Bürgermeister. Das Paar kümmert sich einen Monat im Jahr um den Blumenschmuck in seiner Kirchengemeinde, beide pflegen eine Streuobstwiese, machen selber Most, sie joggen und Uwe Mei agiert zudem noch als Model bei kleineren Modeschauen.

Normalerweise sind die Meis für die Instandsetzung der fünf Kirchberger Wege, insgesamt sind das 23 Kilometer, zwei Tage lang unterwegs und übernachten dann im Kloster. „In diesem Jahr war es zeitlich eng und wir haben alle Wege an einem Tag gemacht. Da waren wir dann am Ende wirklich erledigt“, meint Gabi Mei lachend.